"Plug-in"-Solarstromanlagen

Anschluss und Betrieb nicht normengerechter Erzeugungsanlagen und/oder "Plug-in"-Solarstromanlagen

Das Einstecken einer Erzeugungsanlage in die Steckdose ist nicht mit dem Einstecken eines elektrischen Verbrauchsgegenstandes zu vergleichen und nach der Sicherheitsnorm DIN VDE 0100-551 unzulässig. Die elektrische Anlage in Gebäuden ist auf eine zentrale Einspeisung der elektrischen Energie ausgelegt und wird ausgehend von diesem Netzanschluss über entsprechende Schutzeinrichtungen bis zu den Steckdosen für die elektrischen Verbrauchsgegenstände verteilt. Ein an Erzeugungsanlagen vorhandener vertrauter Stecker suggeriert fälschlicherweise, dass die Erzeugungsanlage einfach eingesteckt werden darf. Dieses lässt außer Acht, dass damit die vorhandenen Schutzeinrichtungen, wie Sicherungen, in ihrer Funktion negativ beeinflusst werden können. Die Schutzeinrichtungen der häuslichen elektrischen Anlage können dann ggf. ihre Schutzfunktion nicht mehr im vollen Umfang erfüllen, da sie den in die Steckdose rückeingespeisten Strom nicht erkennen und ihn nicht ordnungsgemäß auf ihn reagieren können. Aus diesem Grund kann es nach dem Einstecken der Erzeugungsanlage zur Überlastung von Stromkreisen und dadurch zu Bränden kommen.


Energiewirtschaftsgesetz, gesetzliche Grundlage

Laut § 49 Abs. 1 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) sind Energieanlagen so zu errichten und zu betreiben, dass die technische Sicherheit gewährleistet ist. Dabei sind vorbehaltlich sonstiger Rechtsvorschriften die allgemein anerkannten Regeln der Technik zu beachten, hier das Regelwerk des VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.

Zusammenfassung:

• Erzeugungsanlagen an der Steckdose können zum Brand führen.

• Die Verwendung von nicht normengerechten Erzeugungsanlagen z.B. "Plug-in"-Solarstromanlagen (PV-Module mit Schutzkontaktstecker), die nicht über einen Stromkreisverteiler in das Hausnetz, sondern über den Endstromkreis einer Haus- oder Wohnungsinstallation einspeisen sollen, ist gemäß den Vorgaben der technischen Regel VDE-AR-N 4105 und der DIN VDE 0100-551 nicht zulässig. Erzeugungsanlagen sind immer über einen eigenen Stromkreis aus dem Stromkreisverteiler entsprechend den gültigen VDE-Normen fest anzuschließen.

• Grundsätzlich müssen alle Erzeugungsanlagen beim Netzbetreiber angemeldet und durch einen ins Installateurverzeichnis der Netzbetreiber eingetragenen Elektroinstallateur normengerecht errichtet werden. Eine nur durch den Anlagenbetreiber erfolgte Installation verletzt Paragraph 19 Absatz 3 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV). Dies gilt auch, wenn es sich z.B. nur um ein einzelnes PV-Modul handelt. Eine in einigen Medien fälschlicherweise genannte Bagatellgrenze für Micro-Erzeugungsanlagen, ist in den deutschen Normen und Verordnungen bisher nicht enthalten.

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass PV-Erzeugungsanlagen nach der aktuellen VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4105; Abs. 5.5 Anschlusskriterien

  • im Falle einer Volleinspeisung in das Netz des Netzbetreibers fest am Zählerplatz   anzuschließen sind

  • im Fall einer Überschusseinspeisung bis zu einer maximalen Wirkleistung PAmax von ≤ 30 kW in der Unterverteilung anzuschließen sind.

Bei PV-Erzeugungsanlagen > 10 kW ist zudem bei Überschusseinspeisung ein Erzeugungs-zähler erforderlich.

 

Die zur Anmeldung erforderlichen Formulare des Netzbetreibers finden Sie unter:

http://www.bonn-netz.de/Einspeisung/Formulare/Formulare.html

 

• Ob eine EEG/KWK-Vergütung beansprucht wird oder nicht, hat keinen Einfluss auf die Anschlussbedingungen mit der dazugehörigen Pflicht zur Anmeldung der Erzeugungsanlage beim Netzbetreiber. Für die Errichtung und den Betrieb der elektrischen Anlagen sind insbesondere die Technischen Anschlussbedingungen (TAB) einzuhalten.

• Ergibt die Prüfung einer Kundenanlage vor oder nach ihrer Inbetriebnahme, dass durch den Anschluss und Betrieb einer nicht normengerechten Stromerzeugungseinrichtungen eine Sicherheitsgefährdung oder erhebliche Störung zu erwarten ist, ist der Netzbetreiber nach Paragraph 15 Absatz 2 NAV dazu berechtigt, den Anschluss zu verweigern oder die Anschlussnutzung zu unterbrechen; bei Gefahr für Leib und Leben ist der Netzbetreiber hierzu verpflichtet.

• Der Betrieb von nicht normengerechten und/oder angemeldeten Erzeugungsanlagen und der damit eventuell verbundenen Stromeinspeisungen in das allgemeine Versorgungsnetz unter Verwendung eines nicht-rücklaufgesperrten Bezugszählers verstößt gegen die Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV), die Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) und das Steuerrecht. Zudem können durch den Betrieb auch Straftatbestände verwirklicht werden, z.B. Betrug des Anlagenbetreibers nach § 263 des Strafgesetzbuches.

 

Die Bonn-Netz GmbH hält sich im Rahmen ihrer Systemverantwortung nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) und der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV) § 15 weitere Schritte gegen den/die Anlagenbetreiber vor, welche Erzeugungsanlagen gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik (u.a. VDE 0100-551; VDE-AR-N 4105) und ohne Zustimmung des Netzbetreibers netzparallel betreiben.